Ich komme nach Weimar!

Seit Wochen herrscht in Weimar ein Betrieb wie im Bienenstock. Straßen werden gekehrt und ausgebessert, Gartenzäune repariert, manche Häuser bekommen sogar frische Farbe verpasst. Lobgedichte werden geschrieben, Begrüßungschöre geprobt und Soldaten üben den Paradeschritt.

Alle Menschen sind wie von einem inneren Feuer beseelt, sie fiebern dem großen Ereignis entgegen:

Maria Pawlowna kommt nach Weimar!

Aber: Wer ist Maria Pawlowna? Die 18-jährige junge Dame ist die frisch angetraute Ehefrau des Erbprinzen Carl Friedrich. 

Der Prinz und Maria sind seit dem 3. August 1804 verheiratet. Weimar spricht von nichts anderem mehr:

Man erzählt sich von ihrer Schönheit und ihrem märchenhaften Reichtum, denn sie ist eine echte Zarentochter und ihr verstorbener Vater, Zar Paul I., herrschte über Russland, das größte Land der Welt!

Niemand weiß so genau, wie weit es bis Russland ist. Nur eines ist sicher: Es ist so weit, dass aus Weimar kaum einer dort war, nicht einmal der Geheimrat Goethe. Und der hat ja wahrhaft Hummeln im Hintern, sodass er ständig unterwegs ist.

Man erzählt sich, dass die kaiserliche Kutsche schon seit rund 30 Tagen unterwegs sei. Furchtlose Soldaten reiten an ihrer Seite, jeder von ihnen bereit, sein Leben für die Zarentochter zu geben!

Mühsam soll die Fahrt sein, denn die Kutschen bleiben auf den aufgeweichten Straßen stecken, wenn es regnet. Aber Maria Pawlowna soll sehr tapfer sein und stört sich nicht an den einfachen Gasthöfen, in denen sie nun Tag für Tag übernachten muss.

Auch dann nicht, wenn die „heimlichen Gemächer“, die Toilette, häufig draußen auf dem Hof sein sollten.

Als Vorboten rollten vor Tagen etwa 80 russische Wagen in Weimar ein, allesamt mit Schätzen beladen: Gold und Silber, Bestecke, Gemälde... 

Denn Maria Pawlowna kommt, um zu bleiben. Weimar soll ihre neue Heimat werden.