Italienische Momente

Die Hofdame Luise von Göchhausen empfand ihre Zeit in Italien als das große Glück ihres Lebens. Sie genoss die ausgesuchte Höflichkeit, mit der man die Herzoginmutter Anna Amalia und ihr Gefolge empfing, die Kunst, die Schönheit der Paläste und die atemberaubende Kulisse der Antike. Und sie wunderte sich über die Lebensgewohnheiten der Italiener, die sie in ihren Briefen an die Heimat ausführlich beschrieb.

Wir haben für Euch vier Briefstellen ausgesucht:

„Ich wüßte nicht, wo einem die Zeit kostbarer seyn könnte, als in dieser Welt der Merkwürdigkeiten. Jeder Vormittag, sehr wenige ausgenommen, sind der Kunst gewidmet. Einige Zeit nach Tisch begibt sich jedes in sein Kämmerlein. Wenn der Nachmittag sehr schön ist, werden Spazierfahrten unternommen und der Abend versammelt alles um den Theetisch.“

„Die Schönheit der Paläste, die Illumination und die Unzahl der Menschen, die alle so bequem und lustig einherwandeln, da der ungeheuren Säle wegen an kein Gedränge zu denken ist, giebt ein sehr unterhaltendes Schauspiel.“

„Sonst haben die Römer wenig Verhältnis zu den Fremden, ihre Denk- und Lebensart ist von der unsrigen sehr verschieden. Das, was wir häusliches Leben nennen, ist ihnen völlig unbekannt.

Daher ist das Innre ihrer Häuser, unserer Vorstellung nach, abscheulig; alle Pracht und Luxus ist in der bell étage, wo man Fremde empfängt, verschwendet und da wo sie mit ihrer Familie wohnen, die ihnen nicht sehr am Herzen liegt, mögte keins von uns sich eine Stunde aufhalten; auch sind sie selten zu Haus da beynahe keine Römische Dame ein Begriff von Zuhause bleiben hat. So geht es mehr oder weniger durch alle Stände und das gemeine Volk führt ein Leben, – das man sehen muß, um einen Begriff davon zu haben.

Da die Weiber im eigentlichen Verstande nichts tun, so wird selten im Hause gekocht und der Mann geht mittags auf die Straße um Castanien oder in Öl gebackene Fische zu kaufen.

Jede Art Gewinn ist ihnen lieb, nur muß es möglich ohne Mühe geschehn. Daher sind ihnen die Fremden so lieb, da es viel bequemer ist, sie zu überlisten, als zu arbeiten. Für den andern Morgen sorgt keiner, und von der Seite sind sie ein glückliches Volck.“

„Der Heilige Vater ist ein schöner Mann, und für mich jedesmal eine rechte Freude ihn zu sehen. Er ist äußerst freundlich und zuvorkommend gegen die Herzogin, und ich kann nicht leugnen, daß es ihr schmeichelt. Er thut viel für die Künste und hat Glück im Finden. Die ansehnliche Vermehrung und das schöne emplacement des Musaeums hat man ihm zu danken.“