Luise fährt nach Italien

„Ich kann das Schicksal nicht genug preisen, dass es einen so hellen Sonnenblick auf mein Leben warf, als bis jetzt die Reise nach Italien für mich gewesen ist.“ – schreibt Luise an ihren Freund Knebel im Oktober 1788 aus Rom.

In diesem Jahr verwirklicht Anna Amalia ihr lang gehegtes Ziel, nach Italien zu fahren.

Luise von Göchhausen, die Italienisch, Englisch und Französisch spricht, hofft sehr, mitgenommen zu werden.

Bald steht fest: Auf Luise will die Herzoginmutter auch in Italien nicht verzichten. Außer der Hofdame fahren noch zwei Kammerfrauen, der Kammerherr Einsiedel, der Arzt Huschke, der Koch Goullon, ein Dolmetscher und ein Reiseführer mit.

Während der zweijährigen Reise führt Luise Tagebuch und schreibt fleißig Briefe.

Am längsten weilen die Weimarer in Rom und Neapel. An zwei Abenden in der Woche gehen sie ins Theater, zweimal die Woche ist Anna Amalia Gastgeberin, und an den übrigen drei Abenden sind sie bei italienischen Adligen und Künstlern zu Hauskonzerten und Gesprächen eingeladen.

Die Konzerte bei Anna Amalia in Rom sind beliebt und die Zuhörerschaft wächst zusehends.

Die Herzoginmutter erlernt hier das Gitarrenspiel, nach ihrer Rückkehr nach Weimar fördert sie den Gitarrenbau im gesamten Herzogtum. Anna Amalia, die selbst verschiedene Tasteninstrumente und auch Flöte spielt, richtet im Tiefurter Schloss ein Musikzimmer mit vielen Musikinstrumenten ein. Überliefert ist eine Lyragitarre, eine Arbeit des Weimarischen Hofinstrumentenmachers Jakob August. Das Instrument hat eine ungewöhnliche Form, Vorbild ist eine Kithara der antiken Vasenbilder.

Obwohl sie schwierig zu spielen ist und auch keinen besonders schönen Klang hat, lieben die Damen die Gitarre, weil sie damit wie griechische Zitherspieler in der Antike aussehen.

Nach ihrer Rückkehr aus Italien will Anna Amalia in ihrem Tiefurter Musensitz „Italien in Germanien“ gestalten.

Luise von Göchhausen nimmt die kultivierte italienische Geselligkeit zum Modell für ihre „Freundschaftstage“, die von nun an jeden Sonnabend stattfinden. Die Hofdame lädt im Winter in ihre Mansardenstübchen im Wittumspalais ein, im Sommer nach Tiefurt, wo sie sich am liebsten aufhält.

Diese Treffen sind zwanglos, die höfische Form wird beiseite gelegt. Die Teilnehmer musizieren und rezitieren Gedichte.

Anna Amalia, Goethe, Wieland, Bertuch, aber auch viele junge Leute gehören zu diesem losen Kreis, der Italien in Weimar aufleben lässt.