Infos zum Brand

Wie kam es zu dem Schlossbrand in der Nacht vom 6. Mai 1774?

Nun, das werden wir wohl niemals mit letzter Sicherheit erfahren. Eine mögliche Erklärung ist: Brandstiftung. Wahrscheinlich hat jemand absichtlich Feuer gelegt.

Vielleicht aus Rache. Denn nur einen Tag zuvor gab es Unruhen im Volk, nachdem Anna Amalia eine neue Steuer eingeführt hatte.

Es war der so genannte „Hebammengroschen“: eine Abgabe zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit. Mit diesem Geld sollten Hebammen ausgebildet und ein Geburtshaus eingerichtet werden. Damit wollte die Regentin erreichen, dass weniger Säuglinge und Mütter bei der Geburt starben.

Doch die Weimarer wollten nicht zahlen. Einerseits waren die meisten arm und konnten das Geld dafür nicht aufbringen. Andererseits entsprach diese „neue Mode“ des Geburtshauses einfach nicht ihrer jahrhundertealten Praxis der Hausgeburt.

Bei der Untersuchung des Brandes ging die herzogliche Familie streng vor und rief die Bevölkerung auf, ihr Wissen zur Brandursache mitzuteilen.

Mit anderen Worten: die Schuldigen zu verpetzen. Den Brandstiftern drohte der Tod durch Enthauptung.

Da kein Schuldiger gefunden wurde, einigte man sich bald darauf, dass wohl ein Blitzschlag den Brand ausgelöst hatte. Auch, um zu vertuschen, dass in Wirklichkeit möglicherweise zuerst ein defekter Kamin in der Küche in Brand geriet und dass sich das Feuer vom Küchentrakt aus ausbreitete.

1774 war die Weimarer Bibliothek schon knapp acht Jahre im so genannten „Grünen Schloss“ untergebracht und fiel dadurch nicht den Flammen zum Opfer. Das umgebaute „Grüne Schloss“ trägt seit 1991 den Namen „Herzogin Anna Amalia Bibliothek“.

Die herzogliche Familie siedelte für die nächsten Jahre ins Fürstenhaus über. Anna Amalia bezog nach dem Brand das Stadtpalais, das später Wittumspalais (Palais der Witwe) hieß.

Da sie ein Jahr später die Regentschaft an ihren Sohn weitergab, kehrte sie nicht mehr ins Residenzschloss zurück, sondern lebte bis zu ihrem Tode im Wittumspalais und in ihrer Tiefurter Sommerresidenz.

Carl August gründete 1789 die Schlossbaukommission. In den nächsten Jahrzehnten wurde unter Goethes Leitung das Weimarer Residenzschloss Stück für Stück aufgebaut.