Der Musenhof in Tiefurt

1781 verlegt die Herzoginmutter ihren Sommersitz nach Tiefurt. Der bisherige Bewohner, Prinzenerzieher Knebel, muss weichen. Die Instandhaltung des Schlosses Ettersburg, Anna Amalias bisheriger Sommerresidenz, ist zu teuer auf die Dauer.

Nun wird Tiefurt der Mittelpunkt des musischen Lebens in Weimar, mit Anna Amalia als Zentralmuse.

Nach ihrer politischen Zeit als Regentin folgt eine Zeit der Hingabe an die Künste.

Für das Dörfchen bricht eine segensreiche Zeit an. Obst, Gemüse, Geflügel und Eier wandern aus den Dorfgärten in die Töpfe und Kessel des französischen Kochs der Herzoginmutter, Boten und Reiter kommen, wohnen und verzehren im Dorfe.

Und lassen schönes Geld da.

Klänge der Musik trägt häufig der Wind und für die Augen der neugierigen Bauern wird auch öfters etwas geboten: ein elegantes Picknick, ein Tanz, ein Schauspiel.

Das Haus in Tiefurt, das heute irrtümlich „Schloss“ genannt wird, lässt sich Anna Amalia einfach und sparsam einrichten.

Denn was braucht ein Musensitz, der Ort, an dem die Künste zu Hause sind? Künstler und Kunstliebhaber, Theater, Malerei, Dichtung und Musik.

Und bloß keine pompöse Einrichtung, die davon nur ablenken würde. So sind die Tiefurter Sommer der nächsten Jahrzehnte voller Kunst, Spiel und Geselligkeit.

Anna Amalia lässt 1784 einen Musentempel im Tiefurter Park bauen und gestaltet den Park nach englischem Vorbild.

Ihr eigenes größtes Talent liegt in ihrer Musikalität: Sie komponiert, so zum Beispiel die Musik zu Goethes Singspiel „Erwin und Elmire“.

Aber sie nimmt auch Malunterricht und spielt im Liebhabertheater, genauso wie ihre erste Hofdame Luise von Göchhausen.