"Die Fischerin"

Glücklich, wer heute mit uns hier in Tiefurt sein kann – an diesem wunderbar warmen Sommerabend. Denn uns wird hier bald ein besonderes Spektakel geboten – Goethes Singspiel „Die Fischerin“ wird heute uraufgeführt. Wir schreiben den zweiundzwanzigsten Juli 1782.

Das Publikum ist schon versammelt, es wird aufgeregt getuschelt, hier und da wird noch laut aufgelacht.

Wir sitzen im Park, um uns herum ist es schon dunkel. Es ist, als wären wir weit und breit nur von Wald umgeben. Die Stühle der Zuschauer sind im Halbkreis angeordnet, wie im griechischen Amphitheater, wir sitzen in einer Mooshütte. Im Mondlicht schlängelt sich silbern die Ilm.

Die Tiefurter Bauern dürfen nicht allzu nah an den Spielort herankommen, wollen sich das Spektakel aber keineswegs entgehen lassen.

So gibt es ein ziemliches Gedränge auf der Ilmbrücke, von der aus die Bühne am besten zu sehen ist.

Wir blicken auf ein Fischerdorf mit täuschend echt aussehenden Hütten, am Ufer sind echte Kähne befestigt – unser Bühnenbildner Mieding hat wieder ganze Arbeit geleistet. Die Beleuchtung ist besonders einfallsreich: Überall sind Scheinwerfer befestigt, die auf Kommando ihren Lichtkegel auf die Waldbühne werfen.

Dann tritt Corona Schröter aus einer der Fischerhütten und singt wunderbar klagend den „Erlkönig“, den sie selbst vertont hat. Sie spielt die Fischertochter Dorchen, die Hauptrolle in der Komödie. Corona hat das gesamte Singspiel selbst vertont.

Doch worum geht es im Stück?

Um Dorchen, die sich über die Männer beklagt, ihren Vater und ihren Verlobten, die sie angeblich nicht genug schätzen.

Sie entschließt sich, den beiden einen bösen Streich zu spielen. Sie versteckt sich und lässt die Männer glauben, dass sie in den Brunnen gefallen und gestorben sei.

Eine komisch-verzweifelte Sucherei beginnt.

Die Handlung der Komödie passt gut in die Tiefurter Wald- und Wasserlandschaft. Als in der Mitte des Stücks der Vater mit einer Fackel loszieht, um Dorchen zu suchen, werden um ihn herum Dutzende Fackeln gezündet.

„Ahs“ und „Ohs“ der Bewunderung hört man, als auch weiter im Wald zahlreiche Fackeln angehen und die gesamte Umgebung in eine riesige Bühne verwandeln.

Auch die ungeladenen Gäste lauschen gebannt dem Schauspiel, bis zu der besagten Fackelszene. Alle recken die Hälse und das Gedränge wird jetzt so groß, dass mit lautem Krach die Brücke einbricht!

Und schon hört man erschrockene Rufe und sieht die meisten Zaungäste für ein unfreiwilliges Bad in die Ilm eintauchen. Alle springen jetzt von ihren Plätzen und eilen den Unglücklichen zur Hilfe.

Auch die Fackelträger sind sogleich am Ufer und beleuchten die Unglücksstelle, so gut sie können.

Bald steht fest, dass niemand zu Schaden kam, und so schlägt die Sache in Heiterkeit um. Alle lachen und fischen noch die Letzten aus dem Wasser, dann wird das Spiel fortgesetzt.

Dieses Erlebnis macht unser Wald- und Wasserdrama vollkommen und diesen Abend unvergessen!