Schlittschuhe in Weimar

Schlittschuhlaufen wurde sehr schnell zum beliebten Freizeitspaß im Winter. Goethe hat es schon 1774 in Frankfurt kennen gelernt, vor seiner Weimarer Zeit. Neugierig las er in Klopstocks Gedicht „Der Eislauf“ über „schlüpfenden Stahl“ und „Flügel am Fuß“ und stand bald selbst auf dem Eis. Nachdem er sich einige Male auf den Hintern gesetzt hatte, befand er, zum Eislaufen brauche man drei Dinge: jugendliche Kraft, Gesundheit und Mut.

Es „tat sich, bei eintretendem Winter, eine neue Welt vor uns auf, indem ich mich zum Schlittschuhfahren, welches ich nie versucht hatte, rasch entschloss, und es in kurzer Zeit, durch Übung, Nachdenken und Beharrlichkeit, so weit brachte als nötig ist, um eine frohe und belebte Eisbahn mitzugenießen, ohne sich gerade auszeichnen zu wollen.“ – so Goethe zu seinem Freund Eckermann.

Er debattierte mit Klopstock, ob Schlittschuhe oder Schrittschuhe das bessere Wort für die neue Mode sein sollten.

In Weimar jedenfalls fuhren die ersten Schlittschuh-Begeisterten auf dem zugefrorenen Schwanseeteich im Garten des Weimarer Geschäftsmannes Justin Bertuch.

Dann aber wurden es so viele, dass sie auf die Ilmwiesen ausweichen mussten.

Eislaufen inspirierte Goethe zu seinem „Eis-Lebens-Lied“, das er 1789 in „Mut“ umbenannt hatte:

„Sorglos über die Fläche weg,

Wo vom kühnsten Wager die Bahn

Dir nicht vorgegraben du siehst,

Mache dir selber Bahn!

Stille, Liebchen, mein Herz!

Kracht‘s gleich, bricht‘s doch nicht!

Bricht‘s gleich, bricht‘s nicht mit dir!“