Reisefreuden?

Reisen um 1800 war mühsam und nicht für alle bezahlbar. Denn vor gut 200 Jahren standen Reisenden keine Flugzeuge und ICE-Züge zur Verfügung, wie uns heute. Wegenetze und Postsysteme wurden in der damaligen Zeit erst angelegt und ausgebaut. So wurde das Reisen mit der Kutsche angenehmer und zeitlich berechenbarer. Bildungs- und Vergnügungsreisen nahmen ihren Anfang.

Johann Wolfgang Goethes Italienreise zwischen September 1786 und Mai 1788 ist wohl die berühmteste deutsche Bildungsreise und vielfältig dokumentiert für die Nachwelt. Nach Goethes Rückkehr brach sogleich die Herzoginmutter Anna Amalia nach Italien auf.

Die Reisefreude wurde allerdings oft gedämpft, z. B. wenn an zahlreichen Grenzen der aneinander gereihten Fürstentümer Zoll- und Wegegebühren gezahlt werden mussten.

Dabei waren die Straßen oft nur schlecht ausgebaut und befahrbar. In den Gasthäusern wurde die Bettwäsche nur selten gewechselt und als Toilette wurde oft einfach ein beliebiger Platz im Freien aufgesucht. Kutschen wurden zudem häufig von Räuberbanden überfallen.

Doch wie lange dauerte nun Reisen? Ein Reisender zu Fuß schaffte je nach Gelände 25–40 km am Tag. Ein Reiter 20 km pro Stunde, ein berittener Kurier mit häufigem Pferdewechsel täglich 80–100 km.

Schwer bepackte Frachtwagen oder Reisende in der Postkutsche mit Gepäck legten nur 30–45 km am Tag zurück – bei gutem und trockenem Wetter. Dabei war man nicht den ganzen Tag unterwegs, nur so lange wie Mensch und Tier verkrafteten.

Da die Post auch nachts fuhr, wurde sie zwischen 23.00 und 3.00 Uhr von einem Landjäger begleitet, der dann in seine Station zurück laufen musste.

Kutschenreisen mit der „ordinären Post“ oder der „Eilpost“ gab es zu festen Preisen so wie heute Zugfahrkarten und man konnte ungefähr wissen, wie lange sie dauerten. Die „Extrapost“ fuhr keine vorher festgelegte Strecke, sondern richtete sich – wie etwa ein Taxi – nach der Reiseroute des Passagiers und fuhr in der von ihm gewünschten Geschwindigkeit.