Die Sprache der Räuber

Die Räuber, Bettler und Gauner aller Art hatten eine Geheimsprache. Sie hieß Rotwelsch.

Für die normalen Menschen und die Polizei war Rotwelsch fast wie für uns Chinesisch. Diese Geheimsprache war von Region zu Region unterschiedlich. Sie kam nur gesprochen vor, geschrieben so gut wie nie.

Deswegen war 1793 die Polizei froh, als der festgenommene Räuber Konstanzer Hans ihr einen kleinen Sprachunterricht in Rotwelsch erteilte und Folgendes diktierte:

„In der Grillische Käfermärtine do schefte Grandscharrle, im Mogumle Sulz scheft e’G’wandter, und im Palar z’Alpirspach scheft auch e’schoffler, se ’holche bey Rotte und Jamm do’ kan am’ lau schefte se’ b’stiebet ein’n.“

Das bedeutet:

„In Württemberg sind jetzt viele Polizisten, im Städtchen Sulz ist ein Häscher und in Alpirsbach ist auch ein Böser. Sie sind Tag und Nacht unterwegs, da kann man nicht durchkommen, sie kriegen einen bestimmt.“

Die Räuber im Spessart sangen um 1812 das „Wetterauer Räuberlied“, das überliefert ist:

„Hopsa Viva insgemein,

Wie die Kochemer Künstler seyn!

Guter Freund! Wo boscht ihr hin?

Boscht ihr zu dem Mokum h’nein,

In den Kober zu dem Jain? –

Wir wollen zwey Kameruschen seyn!“

Übersetzung:

„Hopsa, Viva, alle zusammen,

Was sind die Kochemer für Künstler!

Guter Freund! Wo geht ihr hin?

Geht ihr in die Stadt,

Ins Wirtshaus zum Wein? –

Wir wollen zwei Kameraden sein!“