Echte Räuber!

Wir schreiben das Jahr 1781. Friedrich Schiller schreibt mit einundzwanzig Jahren sein erstes Drama. Er nennt es „Die Räuber“. Da er zuerst keinen Verleger findet, ist er gezwungen, sich 150 Gulden zu leihen, um das Buch selbst herauszubringen. Doch plötzlich nimmt das Mannheimer Theater das Stück ins Programm auf und es wird ein riesiger Erfolg.

Ein Augenzeuge berichtet nach der ersten Vorstellung:

„Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, heisere Aufschreie im Zuschauerraum. Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme. Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Türe. Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus dessen Nebel neue Schöpfung hervorbricht.“

Schillers Name ist jetzt bekannt als der Verfasser der „Räuber“ und er wird gefeiert. Viele sehen in ihm einen Schriftsteller, der sich gegen die herrschende Ordnung auflehnt. Denn die Existenz von Räubern ist in Schillers Zeit keine romantische Märchenkulisse, sondern harte Wirklichkeit.

Im 18. Jahrhundert gibt es nämlich eine nicht sesshafte, „vagabundierende“ Gesellschaftsschicht.

Kriege und Hungersnöte machten viele Menschen arm und heimatlos. Nicht Wenige ziehen von Ort zu Ort, 10–15 % der Bevölkerung lebt damals auf der Straße. Zu den Wanderberufen dieser Zeit gehören Bettler, Trödler, Hausierer, Schäfer, Bader, Scharfrichter und so weiter. Manchen von ihnen wird das Wohnrecht verweigert, so ist ein Leben auf Wanderschaft oft nicht freiwillig gewählt. So tun sich einige junge Menschen zu Räuberbanden zusammen, die Bauernhöfe, Pfarreien, Wirtshäuser und vor allen Dingen Postkutschen überfallen.

Harte Gesetze werden gegen Räuber, aber auch gegen Landstreicher geschaffen. Allein der Verdacht, ein Herumtreiber zu sein, reicht aus, um mit Peitschenhieben bestraft zu werden. Wer einen vernarbten Rücken hat, gilt in den Augen der Justiz als kriminell.

Die Kleinstaaten und Fürstentümer können die Räuberei kaum eindämmen. Auf viele Raubzüge kommen einige wenige erfolgreiche Schläge der Gendarmen.

Wird ein Räuber gefangen, so wird er in der Regel gefoltert, ins Gefängnis geworfen oder, in besonders schweren Fällen, zum Schafott geführt. So wird 1803 der berühmte Räuber „Schinderhannes“ in Mainz mit der sogenannten Guillotine enthauptet. Sein ursprünglicher Name ist: Johannes Bückler.

Im selben Jahr sieht auch der berüchtigte Räuberhauptmann Matthias Weber, genannt „Der Fetzer“, die Sonne zum letzten Mal aufgehen.

Ein Fetzer ist jemand, der nicht lange fackelt und mit dem Messer zusticht, der das Gepäck von der fahrenden Kutsche „herunterfetzen“ kann.

Die Lebensgeschichte des „Fetzers“ ist typisch für Räuber. Da seine Eltern früh gestorben sind, wächst er bei einem Scherenschleifer auf, der von Ort zu Ort zieht. Er wird ein Kind der Landstraße. Als 16-jähriger Soldat kämpft er im Krieg gegen das revolutionäre Frankreich. In dieser Zeit lernt er ohne Skrupel zu rauben, zu töten und zu plündern.

Als die Soldaten ohne Sold entlassen werden, gründet er eine Bande, macht sich gewissermaßen selbständig.

Der „Fetzer“ macht acht Jahre lang das Rheinland unsicher. 360 Raubüberfälle und Diebstähle können ihm und seiner Bande nachgewiesen werden und insgesamt 3,5 Millionen Franken an Beute. Doch wenn ein Räuber berühmt wird, so sind bereits seine Tage gezählt. Seine Taten sprechen sich herum, die Bevölkerung hilft den Gendarmen, dem Räuber auf die Spur zu kommen.

Die Festnahme des „Fetzers“ verläuft anders, als damals üblich. Der Kommissar lässt ihn nicht foltern, wie damals gang und gäbe, sondern er fragt ihn in netten Gesprächen bei Wein über seine Taten aus. So erzählt ihm der „Fetzer“ seine ganze Geschichte. Der Kommissar schreibt sie auf und bewahrt sie für spätere Zeiten. Der „Fetzer“ wurde am 17. Februar in Köln hingerichtet.