"Alles Theater"

Meine Tante Caroline von Wolzogen ist oft bei uns zu Gast. Meine Eltern haben mich nach ihr benannt, denn sie ist Mamas geliebte Schwester. Auch mit Papa versteht sie sich gut, denn sie ist geradezu verrückt nach Theater. Wenn sie bei uns ist, liest sie mit Papa all die Dramen, die er schreibt.

Papas Traum ist, sein eigenes Theater zu bauen. Er würde es genauso einrichten, wie es ihm gefällt.

In seinem Theater wäre das Spiel voller Leidenschaft und Schönheit. Die Menschen im Publikum wären wie verzaubert. Papa sagt, dann wäre mehr Schönheit auch in ihrem Leben: In dem, wie sie sind und in dem, was sie tun. Papa schreibt viele Theaterstücke.

Am Tag der Premiere ist er immer aufgeregt. Das ist der Tag, an dem ein Theaterstück zum ersten Mal gespielt wird. Dann mischt sich Papa gern unters Publikum.

Mein Bruder Karl hat mir einmal erzählt, wie ihn Papa eines Tages nach Leipzig mitnahm. Das Theater spielte „Die Jungfrau von Orleans“.

Das Stück war noch nicht zu Ende, schon flüsterten die Leute: Der große Dichter Schiller sitzt unter den Zuschauern! Dann fiel der Vorhang und sie sprangen alle auf und riefen: Vivat! Vivat! Vivat! Als Papa und Karl dann das Gebäude verließen, wartete eine jubelnde Menschenmenge auf sie.

Karl war sehr stolz auf unseren Vater. Doch Papa ging bescheiden durch die Menge, mit gesenktem Kopf und dankte freundlich jedem, der ihn grüßte.

Manchmal denke ich, dass Papa nicht so gern berühmt ist. Und du? Wärest du gern berühmt?