Die Herzog-Erscheinung

Am Platz der Demokratie in Weimar steht ein Reiter aus Bronze, überlebensgroß. Der Mann auf dem Pferderücken trägt eine Generalsuniform, einen Kranz aus Lorbeeren und Eichen auf dem Kopf und sitzt fest im Sattel. Es ist der junge Herzog Carl August, der, wie es scheint, auf sein Schloss zureitet. Das Residenzschloss ist nur einen Steinwurf entfernt. In seinem Rücken steht das pompöse Fürstenhaus, heute Musikhochschule.

Zu seiner Linken ist der historische Marktplatz Weimars mit dem Gasthof „Zum Elefanten“ – heute ein Luxushotel. Und zu seiner Rechten das Grüne Schloss, die Bibliothek Anna Amalias, ein Geschenk der Regentin an die Weimarer Bürger mit dem berühmten Rokokosaal.

Zu Lebzeiten ist der Herzog von Weimar auch schon eine besondere Erscheinung: Fast ärmlich gekleidet, sieht man ihn oft in einer abgetragenen grünen Uniformjacke und großer Schirmmütze.

Er ist dicklich, raucht Zigarren und wird ständig von Hunden begleitet. Die Menschen mögen ihn, denn er ist freundlich, gutwillig, schlagfertig und witzig, aber auch bärbeißig. Er ist ein guter Menschenkenner und setzt sich für das Wohl der Bevölkerung ein. Wenn der kampferprobte Soldat unterwegs ist, braucht er es nicht bequem: Wer in seiner alten, kaum gefederten Droschke mitfährt, muss mit blauen Flecken rechnen. Und er braucht keine sechs Pferde, vor eine prächtige Kutsche gespannt, ihm reichen zwei.

Carl August liebt die Jagd und sammelt Jagdtrophäen. Hirsche, Rehe, Auerhühner und Birkhühner schießt er im Thüringer Wald, Wildschweine auf dem Ettersberg, Hasen um Apolda.